Qualität gefragt: Forschung für Wirtschaft

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft bewertet regelmäßig die Forschung an Wirtschaftsinstituten

Wer hat die innovativsten Ansätze, wer publiziert die besten Aufsätze, wer kooperiert mit den interessantesten Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft? Zum zweiten Mal stehen die führenden sechs

deutschen Wirtschaftsinstitute im Wettbewerb um die beste Note vom Senat der Leibniz-Gemeinschaft, ein Zusammenschluß von 80 Forschungseinrichtungen. Seit 2003 bewertet der Senat im Schnitt jährlich zwölf der 80 Mitglieder. Vorher hat sich der Wissenschaftsrat, ein Beratergremium von Bund und Ländern, darum gekümmert.

Jedes Institut ist so alle sieben Jahre an der Reihe. "Unsere Aufgabe ist die Qualitätskontrolle", sagte der Leiter der Evaluierungseinheit, Ludger Viehoff. Eine solche Kontrolle der Forschung ist international einmalig. Für die Institute unter der Lupe geht es nicht nur ums Image, sondern vor allem um Bares. Eine positive Bewertung durch die Leibniz-Gemeinschaft bedeutet meist Fördergeld für weitere sieben Jahre. Denn die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung stützt sich in der Regel auf den Bericht der Leibniz-Gemeinschaft. Die Summen variieren zwischen vier und 40 Mio. Euro jährlich. Bescheinigen die Leibnizer einer Einrichtung Qualitätsmängel, kann das Geld gekürzt oder gestrichen werden.


Aktuell schauen die Qualitätskontrolleure den Forschern aus den Gebieten Wirtschaft, Biologie, Medizin und Umwelt in die Bücher. Der Bericht über das Hamburger HWWA liegt bereits vor, auch das Kieler IfW wurde schon geprüft, kommende Woche ist das Berliner DIW an der Reihe.

Grundlage jeder Evaluation ist ein DIN-A4-Ordner, in dem die Institute selbst ihre Forschung und ihre Kosten beschreiben. Daraufhin sucht die Leibniz-Gemeinschaft bis zu zehn nationale und internationale Gutachter aus. Zur Bewertung des Ifo-Instituts werden beispielsweise auch Mitarbeiter der Weltbank eingeladen.

Zwei Tage lang besucht die Bewertergruppe zusammen mit Mitarbeitern von Ministerien das Institut und diskutiert über die Qualität. Auch die Mitarbeiter kommen in einem informellen Gespräch zu Wort. "So erfahren wir viel über Motivation und mögliche Konflikte", erklärt Viehoff. Nach diesem Besuch schreibt jeder Gutachter ein Statement. Aus diesen und der Selbstinformation des Instituts entsteht zwei bis drei Monate später der über das Fördergeld entscheidende Bewertungsbericht. Dieser wird von manchem als zu subjektiv kritisiert.

Manches Institut spürte schlechte Berichte schmerzhaft. Bei der letzten Bewertungsrunde, die noch der Wissenschaftsrat leitete, wurden etwa die Budgets von Ifo und HWWA um 40 bis 50 Prozent gekürzt. Aber die Forscher scheinen aus ihren Fehlern zu lernen. "Wir sehen deutliche Fortschritte", sagt Evaluierungsexperte Viehoff.

Weitere nützliche Links:
online-forschung.DE
Forschung & Entwicklung im Bereich Wirtschaft.
(Artikel von: 25.08.2005, linpan)