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Scheidung per Mausklick: Ehepartner, die ihre Trennung online vorbereiten, sparen Zeit
"Das war alles so total easy", schwärmt Bernhard Pickert-Goldenbogen,
"dass ich es fast vergessen habe". Der Neusser spricht von einer Sache,
die anderen viel Kummer macht: die Scheidung. Im November 2002 waren
seine damalige Frau und er sich einig und Anfang April 2003 getrennte
Leute - dank der Online-Scheidung.
Dabei stellen Paare, die sich einvernehmlich trennen, einen
Scheidungsantrag online. Pickert-Goldenbogen hat dazu die Homepage von
Roland Sperling in Düsseldorf besucht. Der Anwalt war Anfang 2000 der
erste in Deutschland, der dieses Verfahren angeboten hat. "Scheidungen
werden nach einem standardisierten Verfahren abgewickelt", erklärt er,
"es werden immer die gleichen Punkte gefragt und besprochen". Also hat
er die Online-Scheidung eingeführt, um den Aufwand möglichst gering zu
halten. Am Anfang habe das in der Branche für viel Wirbel gesorgt, aber
dann seien immer mehr Kollegen auf den Zug aufgesprungen.
Zum Beispiel Beate Meinberg aus Gelsenkirchen. Sie setzt seit fast zwei
Jahren auf die Internet-Trennung und hatte seither mehrere hundert
Anfragen. "Es sind überwiegend Leute zwischen 30 und 40, die so ihre
Scheidung vorbereiten", erklärt sie. Denn eine gewisse Affinität zum
Computer müsse man schon haben. Dann könne man damit Zeit und Nerven
sparen. Während bei der herkömmlichen Scheidung der Weg zum Anwalt oft
stressig ist, können Scheidungswillige alles am Computer machen, abends
nach der Arbeit oder am Wochenende. Nur billiger ist diese
Scheidungs-Variante nicht, es wird nach der
Bundesrechtsanwaltsgebührenordnung abgerechnet.
Bei Beate Meinberg beantragen die Noch-Gatten nach der
gesetzlichen einjährigen Trennungszeit per E-Mail ein Passwort. Damit
können sie den Scheidungsantrag herunterladen und ausfüllen. Er wird
zurückgeschickt und sie bereitet einen Scheidungsentwurf vor. Den
schickt sie natürlich per E-Mail. Dann muss ein Gerichtskostenzuschuss
überwiesen werden, und eine Vollmacht, die Heirats- und gegebenenfalls
Geburtsurkunden von Kindern werden per Post gesendet. "Fragen klären
wir per Telefon oder E-Mail", sagt ihr Mandant Stephan Meyer aus
Kassel. Seine Scheidung dauert ungewöhnlich lange. "Das liegt aber
nicht an der Online-Variante, sondern an den Unterlagen zum
Versorgungsausgleich, die nicht beikommen." Allerdings wird die
Scheidung auch nicht ganz online zu Ende gehen: Alle Ehen werden erst
vor Gericht ordnungsgemäß geschieden.
So problemlos wie bei Pickert-Goldenbogen oder Meyer läuft eine
Scheidung aber nur, wenn sich das Paar einig ist. Und darin sieht
Christa Brauns-Hermann, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft für
Beratung bei Familienkrisen, Trennung und Scheidung ein Problem: "Eine
Scheidung ist oft eine voreilige Aktion, und dieses Verfahren
erleichtert das Ganze. Frauen wollen sich häufig nicht scheiden
lassen", weiß sie. "Sie stimmen nur zu, weil sie unter Druck stehen und
nicht wissen, was in psychischer Hinsicht nach der Trennung auf sie
zukommt".
Tatsächlich ist auch in der Online-Scheidungs-Welt nicht alles rosarot.
"Ich habe etwa 1.000 Fälle in den vergangenen drei Jahren betreut", so
Roland Sperling. "Bei rund 40 waren sich die Paare nicht so einig, wie
sie vorgaben". Da geht es dann um Unterhaltsansprüche oder das
Kindersorgerecht - und manchmal habe der Mann alleine entschieden, dass
er sich scheiden lassen wolle. "Diese Fälle lassen sich nicht online
lösen", weiß der Rechtsanwalt.
Für einvernehmliche Paare wünscht sich Sperling dagegen noch mehr
Erleichterung: die Online-Video-Konferenz, bei der niemand mehr vor
Gericht erscheinen muss. Zwar gibt es in Deutschland Pilotprojekte wie
bei den Amtsgerichten Olpe und Westerstede, "aber die sind nur ein
kleiner Schritt in die richtige Richtung". Die Gerichte möchten
Rechtsanwälten vereinfachte Scheidungsverfahren durch elektronische
Kommunikation anbieten. "Es wird kein Papier mehr geben, sondern eine
digitale Akte", erklärt Jürgen Nienaber, Direktor des Westersteder
Amtsgerichts. Von einer Online-Video-Trennung ist man damit noch weit
entfernt. Pickert-Goldenbogen und Meyer sind aber schon sehr zufrieden
mit der Online-Scheidung à la Sperling: "Man spart einfach sehr viel
Zeit!"
Internet-Adressen:
internet-scheidung.com
kanzlei-marten-valcic.de
kanzlei-meinberg.de
mein-recht.de
scheidung-internet.de
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