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Zu schön für die Karriere
Bildschön ist Vera Schwalk aus Köln: hellblonde lange Haare, blaue
Augen, schlank - und gerade mal 1,60 Meter groß. Ein wenig feenhaft
kommt sie daher, und will ausgerechnet Unternehmensberaterin werden.
Vor ihrem Vorstellungsgespräch geht sie zum Friseur und lässt die Haare
auf Kinnlänge abschneiden und einen Ton dunkler färben. Grund: "Ich
hatte Angst, die trauen mir nichts zu".
Und damit hat sie gar nicht unrecht. Sabine Gläser,
Diplom-Psychologin aus Rheine, sagt dazu: "Überdurchschnittlich schöne
Menschen wirken, als hätten sie nicht genügend Biss für das gehobene
Management." Das heißt: Man assoziiert mit Schönheit zwar
Kontaktfreude, Harmoniebestreben, Freundlichkeit, aber nicht
Durchsetzungsstärke und Führungskompetenz. Darum kann Schönheit
besonders für Frauen ein Problem auf der Karriereleiter werden.
Aufmerksamkeit auf Fachkompetenz lenken
Allerdings, so Joachim Staude von der Personalberatung PMC
International in Neu-Isenburg, wüssten schöne Frauen auch damit
umzugehen, wenn sie bestimmte Positionen erreichen: "Diese Damen
schminken sich weniger und tragen konservative Kleidung." Oder sie
lassen sich die Haare schneiden wie Vera Schwalk. "So lenken sie die
Aufmerksamkeit auf ihre fachlichen Kompetenzen, weg vom Äußeren",
erklärt Staude.
Attraktivität siegt im Vorstellungsgespräch
Schöne Menschen müssen sich also genau überlegen, wie sie auf
andere wirken, und wie sie sich selbst verkaufen. Trotzdem haben sie es
in einem Punkt leichter als andere. Denn attraktive Menschen werden
bevorzugt zum Vorstellungsgespräch eingeladen, wissen die Experten.
Darum ist auch ein gutes Bewerbungsfoto so wichtig. Und wenn die
fachliche Kompetenz stimmt, werden sie eher eingestellt, als eine
durchschnittlich gutaussehende Person mit den gleichen Fähigkeiten,
denn "man umgibt sich lieber mit hübschen Menschen. Schließlich muss
man sie täglich sehen", so Diplom-Psychologin Gläser.
Wie komme ich eigentlich rüber?
Aber was ist eigentlich hübsch, attraktiv, schön? Sabine Gläser
definiert es so: "In der Regel harmonische Gesichtszüge, schlank,
sportlich, gepaart mit natürlichem Selbstbewusstsein, einer gepflegten
Erscheinung und sympathischem Auftreten. Auch die Stimme spielt eine
wesentliche Rolle". Sie darf nicht zu hoch, aber auch nicht zu tief
sein, das gilt für Männer und Frauen. Das "gepflegte Äußere" ist
Definitionssache. Staude macht von der Branche abhängig, was sein muss
und was nicht: "Manikürte Fingernägel zum Beispiel passen besser in die
Werbe- oder Medienbranche als in eine Rechtsanwaltskanzlei". Er rät
Männern und Frauen sich ihre Zielgruppe anzuschauen und sich zu
überlegen: "Wie komme ich eigentlich rüber?"
Schein und Sein
Es geht also um Schein und Sein. Dicke Menschen zum Beispiel
werden häufig als nicht leistungsfähig gesehen. Man vermutet bei ihnen
Gesundheitsprobleme. "Häufig denken Kunden, dass dickere Menschen kein
Durchsetzungsvermögen haben, weil sie gegen sich selbst nicht hart
genug sind, um eine Diät zu machen", weiß Joachim Staude. Dem pflichtet
Sabine Gläser bei: "Dicke Menschen gelten als bequem, freundlich und
anpassungsfähig - aber nicht als streitbar". Doch in einigen Positionen
ist das notwendig. Genau die gleichen Vorurteile werden sehr weiblichen
Frauen entgegengebracht. Die Psychologin rät ihnen, im Arbeitsleben
eher gut sitzende als figurbetonte Kleidung zu tragen, wenig Make up
und Schmuck - und die Haare hochzustecken, oder direkt abzuschneiden.
Vera Schwalks Gang zum Friseur war also goldrichtig. Und die Stelle bei
der Unternehmensberatung hat sie auch bekommen.
Körpermerkmale und Vorurteile
Lange Haare bei Männern: Was bei Frauen ein Schönheitsmerkmal
ist, gilt noch lange nicht für Männer. Bei ihnen wirken lange Haare
unseriös, gar zwielichtig.
Überflüssige Pfunde: Freundlich, bequem, anpassungsfähig, das
denkt man von dicken Leuten. Aber nicht, dass sie leistungsfähig sind,
denn viele vermuten bei ihnen Gesundheitsprobleme. Molligen traut man
keine Durchsetzungskraft zu.
Hohe Stimme: Wer eine hohe Stimme hat, klingt aufgeregt,
nervös - und vor allem inkompetent. Dabei wird Frauen eine hohe Stimme
noch eher verziehen als Männern.
Breite Schultern bei Männern: Sportlich und dynamisch kommen
Männer mit breiten Schultern daher. Darum hält man sie für
durchsetzungsfähig.
Kräftige Augenbrauen bei Männern: An den Urmenschen erinnert
es, wenn sich buschige Augenbrauen im Gesicht wölben. Archaisch wirkt
das und versteckt aggressiv.
Lange Haare bei Frauen: Frauen mit langen Haaren gelten als
fortpflanzungsfähig, fruchtbar, weiblich. Berufliche Kompetenzen
verbindet man nicht damit.
Unreine Haut: Pickel und Hautunreinheiten wirken ungepflegt
und unreif. Wer sich nicht um sich selbst kümmert, kümmert sich
womöglich auch nicht richtig um seine Arbeit.
Augenringe: Dunkle Ringe unter den Augen, das wirkt
übernächtigt. Und wer sich die Nacht um die Ohren schlägt, ist nicht
leistungsfähig.
Attraktivität allgemein: Mens sana in corpore sano - ein
gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper. Wer schön ist, wirkt
gesund, intelligent und leistungsstark.
Große Menschen: Führungsqualität betbla)
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