Fußball-WM soll Fans in die Innenstädte locken

Mit Großveranstaltungen wollen die Austragungsorte die lokale Wirtschaft ankurbeln - Fifa setzt enge Grenzen


Köln - Rund neun Monate vor der Fußballweltmeisterschaft 2006 wissen die meisten WM-Städte schon ganz genau, wie sie Fans ohne Karten trösten und zum Konsum anstiften wollen. Die

zwölf WM-Städte planen sogenannte Fifa-Fan-Feste. Auf öffentlichen Plätzen können Besucher kostenlos alle Spiele live verfolgen. In Frankfurt soll eine Videowand auf dem Main mehrere Zehntausend Zuschauer anlocken, in Berlin wird der Spreebogenpark in der Nähe des Kanzleramts zum Fußball-Treff und in München gleich der gesamte Olympiapark. Von den Festen versprechen sich die Städte einen Imagegewinn und einen Schub für die regionale Wirtschaft. Das kostet Geld: Die Frankfurter Tourismus und Kongreß GmbH kalkuliert beispielsweise mit rund 4,9 Mio. Euro, obwohl das Fan Fest - die Main Arena - nur 1,5 Mio. Euro kosten soll. Die restlichen 3,4 Mio. Euro sind für die Illumination der Skyline - die Sky Arena - geplant. "Wir erwarten ein Gesamtplus für die Frankfurter Wirtschaft von 30 Mio. Euro durch die WM. Das ist im Vergleich zu zwei Mrd. Tourismuseinnahmen jährlich allerdings nicht viel", sagt Geschäftsführer Günter Hampel.


Beim Frankfurter Modell zahlt die Stadt selbst nichts für das Fan Fest, die Refinanzierung soll über Sponsoren und Mieten erreicht werden. "Die Sky Arena ist jetzt bereits jetzt zu 90 Prozent durch Sponsorengelder finanziert", freut sich Hampel. Am wichtigsten für Frankfurt sei jedoch der Imagegewinn. "Wir können die neuen sympathischen Attribute Sport und Emotion mit Frankfurt in Verbindung bringen anstelle der Stadt des Geldes", meint Touristikfachmann Hampel.

Auch die Stadt München hat die Verantwortung für das Fußball Fan-Fest abgegeben. Die Olympiapark GmbH ist finanziell allein verantwortlich. "Insgesamt wird der Fan Park zwei Mio. Euro kosten", schätzt Veranstaltungsplaner Stephan Braun. Gastronomie und Sponsoren sollen die Kosten wieder reinbringen. "Wir wollen Geld verdienen", sagt Braun. Daher müsse die Olympia GmbH mit spitzem Bleistift rechnen.

Auch in Berlin soll das Fan Fest größtenteils über örtliche Sponsoren finanziert werden. Das könnte sich für die Berliner Wirtschaft besonders lohnen. Die IHK schätzt, daß die WM 2006 der Berliner Wirtschaft insgesamt bis zu 500 Mio. Euro bringen wird.

Wie viel der Ausgaben für die Fan-Feste die Städte tatsächlich über lokale Sponsoren refinanzieren können, hängt stark von den Verträgen mit der Fifa ab. Die Fifa liefert allen WM-Austragungsstätten kostenlos das Basis-Equipment für die Live-Übertragungen und die Übertragungslizenz. Dazu gehören unter anderem 60 Quadratmeter modulare Videowand, Ton- und Lichttechnik sowie eine Bühne. Für diese Ausrüstung im Wert von 600 000 bis 800 000 Euro kommen die vier Top-Sponsoren Mastercard, Coca-Cola, Toshiba und Yundai auf. Dafür gelten bei den Festen die Markenrechte der Fifa. "Keine Wettbewerber der Fifapartner wie Adidas oder Deutsche Bahn dürfen innerhalb der Fan Feste werben", erklärt Jürgen Kießling, der Sprecher des Arbeitskreises der WM-Städte. Für Speisen hat McDonald's ein Erstzugriffsrecht und für alkholfreie Getränke Coca-Cola. Welche Produkte zusätzlich angeboten werden dürfen, handeln die Städte jeweils in bilateralen Verträgen mit der Fifa aus. In Berlin muß beispielsweise niemand beim Fan Fest auf die berühmte Currywurst verzichten. Hauptdiskussionspunkt: Das Bier. Besonders die Münchner und die Kölner legen Wert auf Weißbier- oder Kölschgenuß zum Fußball. "Beim letzten Treffen mit der Fifa haben wir den Durchbruch erreicht. Lokale Bierpartner dürfen grundsätzlich bei den Fan Festen ausschenken", sagt Horst Meyer, WM-Beauftragter der Stadt Köln. Offizielle Biersponsoren der Fußballweltmeisterschaft sind die Amerikaner Anheuser Busch, die für den Ausschank mit Bitburger kooperieren. Details zu den Rechten der lokalen Bierpartner stehen noch nicht fest.

Auch Köln erhofft sich einen positiven Standorteffekt von den Fan Festen. Das Kölner Fan Fest soll sich vom Heumarkt aus über den Altermarkt und Roncalliplatz strecken und Platz für 20 000 Menschen bieten. Wie viele Gäste tatsächlich in die jeweiligen Städte kommen werden, hängt jedoch stark von der Auslosung der Partien im Dezember ab. Und dann entscheiden viele Städten auch erst, wie viel Geld sie tatsächlich investieren wollen. Aber Meyer ist sicher: "Die Städte werden alle Geld anpacken". Die Kosten für ein Fan Fest lägen realistisch bei rund drei Mio. Euro. "Die Städte werden im Schnitt selbst eine Mio. Euro bereitstellen. Der Rest kommt über Sponsoren". Damit tragen die Kommunen teilweise große finanzielle Risiken. "Und da ist es keine optimale Vertragssituation, wenn die Städte an die Sponsoren gebunden sind, aber nicht umgekehrt", meint Meyer. Und spielt damit auf den Berliner Alleingang von Adidas an. Anstatt das offizielle Berliner Fan Fest zu sponsern, hat Adidas eine eigene Übertragungslizenz erworben. In einem nachgebauten Olympiastadion auf der Reichtagswiese zeigt Adidas selbst alle Spiele auf Videowand. Da die Berlin-Tourismus Marketing GmbH jedoch mit einer halben Mio. Besucher zur WM rechnet, dürfte das offizielle Fan Fest nicht allzu sehr unter der Konkurrenz leiden.

Auch eine aktuelle Auswertung der Fußballangzeit-Studie der Universität Hohenheim sieht Berlin auf Platz eins der Städte, die Deutsche während der WM besuchen wollen. Platz zwei und drei belegen München und Stuttgart.

Die Stuttgarter sind schon fast fertig mit den Plänen für ihr Fan Fest. Auf dem Schloßplatz sollen Videowände, die in vier Richtungen ausstrahlen, Stadionatmosphäre schaffen. "Wir rechnen mit 2,5 Mio. Euro Kosten für das gesamte Fan Fest", sagt Klaus Lindemann, Geschäftsführer der Stuttgart Marketing GmbH. Wie viel die lokale Wirtschaft an dem Fest verdienen kann, mag er nicht schätzen. Doch auch er betont: "Die WM ist auf jeden Fall ein wichtiger wirtschaftlicher Impulsgeber".

Artikel erschienen am Mi, 12. Oktober 2005 (Artikel von: 13.10.2005, linpan)