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Interkulturelles Lernen ist mehr als nur SpracherwerbPersönliche Entwicklung steht im Vordergrund „Mein Englisch hat sich stark verbessert“, sagt Jan Eigenbrodt, „Aber wichtiger sind meine persönlichen Erfahrungen: Ich habe gelernt, mit Leuten um- und auf neue Menschen zuzugehen, offen und nicht voreingenommen zu sein“. So wie dem 18-Jährigen geht es vielen, die ins Ausland gehen um sich dort weiterzubilden: Beim interkulturellen Lernen wird also zum Beispiel der Spracherwerb zum Nebeneffekt. Was zählt, ist die Völkerverständigung, das Verstehen einer anderen Kultur und Mentalität. Eigenbrodt hat die elfte Klasse in den USA gemacht, in Wilkesboro, North Carolina. Er war dort an einer High School und wohnte in einer Gastfamilie. Sein Aufenthalt hat ihn für die Zukunft geprägt: „Ich will studieren und später in einem internationalen und sozialen Umfeld arbeiten“.
Die Langzeitprägung des interkulturellen Lernens ist es auch, die Cornelia Merkt hervorhebt. Sie ist bei Experiment in Bonn unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die internationale, gemeinnützige Austauschorganisation bietet zum Beispiel Schüleraustausch an, wie Jan Eigenbrodt ihn gemacht hat. „Unsere Teilnehmer bauen Vorurteile ab, aber sie reflektieren auch ihre eigene Kultur“, sagt sie. Außerdem hat der Verein Freiwilligendienste in 18 verschiedenen Ländern im Programm, Gastfamilienaufenthalte für bis zu vier Wochen und „Demi Pair“, einen Au pair Aufenthalt bei einer Familie für 20 Stunden die Woche. „Die Teilnehmer machen zusätzlich einen Sprachkurs“, erklärt Cornelia Merkt.
Traurige Tage fern von zuhause kennt jeder. Trotzdem liegt die Abbrecherquote bei VIA unter zehn Prozent. „Die, die abbrechen, tun es aus ernsten Gründen: Weil sie selbst oder ein Angehöriger krank sind. Manchmal ist es auch eine Persönlichkeitsfrage“, gibt Sabrina Boenschen zu bedenken. Wenn jemand im Ausland bemerkt, dass ein Jahr in der Fremde nichts für ihn ist, ist das auch ein wichtiger Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung. „Und gerade bei Teenagern kommt häufig ein Heimweh dazu, mit dem niemand gerechnet hat. Da ist die Verwurzelung mit der Familie oder dem Freundeskreis doch größer als angenommen“, sagt Cornelia Merkt. Was die Preise für ein interkulturelles Lern-Programm anbelangt, so variieren diese stark. „Es kommt auf das Programm und das Land an“, erklärt Cornelia Merkt. Ein Schuljahr im Ausland kostet bei Experiment etwa 6000 Euro inklusive Flug und Versicherungen, die Zeit als Demi Pair liegt zwischen 1300 und 2500 Euro, eine Woche Gastfamilienaufenthalt ab 230 Euro ohne Flug. Allerdings gibt es auch Programme, die aus Fördertöpfen finanziert werden. Dann muss der Teilnehmer gar nichts bezahlen. „Für diese Programme bekomme ich gut 1500 Bewerbungen“, erzählt Sabine Boenschen. „Wir haben aber weit weniger Plätze zu vergeben“.
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