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Deutsche Banker sitzen auf wackligen StühlenIn keinem Land der Welt wechseln die Chefs von Geldhäusern häufiger Chefsessel im deutschen Bankensektor waren im vergangenen Jahren extrem heiße Stühle. Herbert Walter löste Bernd Fahrholz als Vorstandschef bei der Dresdner Bank ab und der ehemalige Deutsche Bank-Vorstand Thomas Fischer übernahm den obersten Posten der WestLB in der größten Krise der Geschichte des Geldhauses. In keiner anderen Branche haben die Vorstandsvorsitzenden 2003 ähnlich häufig gewechselt. Dabei ist die Banken- und Versicherungsbranche weltweit der ungefährlichste Ort, was freiwillige und unfreiwillige Abgänge von Chefs angeht. Die Wechselquote lag mit rund sieben Prozent weit unter dem Sechs-Jahres-Durchschnitt. Dies ergab die dritte CEO Sucession Studie von Booz Allen Hamilton. Untersucht wurden die 2500 größten internationalen Unternehmen, davon sitzen 293 in Deutschland. Auch die Quote der Chefs die wegen schlechter Führung "gegangen werden" lag mit knapp 60 Prozent in Deutschland überdurchschnittlich hoch. "Deutsche Banken hinken der internationalen Konsolidierung hinterher", sagte der Deutschlandchef der Unternehmensberatung Klaus Peter Gushurst der WELT. Und solange dieser Prozess läuft, bleiben die Banken wankelmütige Arbeitgeber. Gushurst zweifelt daran, dass demnächst der große Schlag der Restrukturierung gelingt. "Das wird noch mindestens drei bis fünf Jahre dauern, bis es hier richtig in Gang kommt", meint der Bankenexperte. Bei den größten Kreditinstituten in Deutschland wurde schon mehr als die Hälfte der Chefs ausgetauscht. "Die aktuellen dürften also relativ fest im Sattel sitzen", meint der 40-Jährige. Als Vorbilder für eine gesunde Konsolidierung sieht Gushurst den englischen sowie den niederländischen Bankensektor. Mit den drei großen Instituten Rabobank, ABN Amro und ING sei letzterer Markt gut aufgeteilt. "In Deutschland ist noch so gut wie nichts passiert." Es fehlen die großen Schritte wie ein Abschied vom Drei-Säulen-Modell. Stattdessen wird erst mal teilweise der Zahlungsverkehr zusammengelegt, aber es gibt keine einschneidenden Eingriffe wie beispielsweise in Amerika. Hier wurden mit der Formel "Schnell und kräftig fusionieren" die Kosten gesenkt und der Markt aufgeräumt. Auch wenn selbst der Kanzler schon gefordert hat, der deutsche Bankensektor solle "in die Strümpfe" kommen, bleibt eine Lösung auf dem komplexen Markt mit Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Instituten in weiter Ferne. "Ich glaube eher, dass einige ausländische Banken aktiv reininvestieren und so Bewegung in den Markt bringen", meint der Volkswirt. Fusionen und Übernahmen durch ausländische Institute werden wir aber nicht so bald sehen, meint Gushurst. "Ausländische Banken suchen sich über Produkte und neue Vertriebskanäle Nischen im Markt". Beispielsweise stammt der Tchibo-Kredit von der Royal Bank of Scotland und wer bei Saturn beispielsweise eine Waschmaschine auf Raten kauft, landet über die CC Bank bei der spanischen Banco Santander. Somit haben einige ausländische Banken den Weg schon über die Hintertür in den deutschen Markt gefunden. "Das ist auch längerfristig der geschickteste Weg für ausländische Banken bei uns einzusteigen", meint Gushurst. Zumindest solange keine Bewegung in den Sparkassensektor komme. Weitere nützliche Links: |
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