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Übernahmekampf um Flughafen Brüssel

Fraport AG und Amsterdamer Airport Schiphol reichen Kaufangebote ein

Nach dem Abschluss der ersten europäischen Fusion zwischen der KLM und Air France beginnt der Übernahmekampf um die Flughäfen des Kontinents. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent am Brüsseler Flughafen Zaventem kaufen. "Wir haben am Montag ein unverbindliches indikatives Angebot bei BIAC NV/SA eingereicht", bestätigte Fraport-Sprecher Wolfgang Schwalm der WELT. BIAC NV/SA ist die Betreibergesellschaft des Brüsseler Flughafens. Zur Höhe der Offerte wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Auch der Amsterdamer Flughafen Schiphol Airport beabsichtigt eine Übernahmeofferte für den Brüsseler Airport vorzulegen. Die Niederländer würden zwischen 400 und 500 Mio. Euro für 70 Prozent der Anteile zahlen, heißt in Amsterdamer Luftfahrtkreisen. Schiphol bestätigt das Kaufinteresse, schweigt aber zum möglichen Preis. Zaventem steht noch bei weiteren europäischen Flughäfen wie Wien, Kopenhagen, Paris (Charles de Gaulle) auf der Übernahme-Wunschliste, heißt es in Amsterdam weiter. Auch die Investoren 3i (England) und Macquarie (Australien) sind angeblich am Kauf des Brüsseler Flughafens interessiert. Der belgische Staat, der 64 Prozent des Flughafens hält, will etwa die Hälfte seiner Anteile verkaufen. Durch die Zaventem-Beteiligungen der übrigen Teilhaber kommen somit 70 Prozent auf den Markt.

Fraport möchte im externen Geschäft weiter wachsen, betonte Vorstandschef Wilhelm Bender noch Anfang dieses Monats auf der Hauptversammlung seines Unternehmens. Natürlich prüfe man nach dem gescheiterten Manila-Projekt die Bedingungen genauer. Da birgt eine Expansion in die europäische Naschbarschaft sicher weniger Risiken. Auch im Inlandsgeschäft setzt sich der Wachstumstrend am Frankfurter Flughafen fort. Über 4,4 Mio. Passagiere und damit knapp zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor haben den größten deutschen Flughafen im Mai genutzt, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Dass ausgerechnet die Niederländer den Brüsseler Airport übernehmen wollen, ist hingegen kurios. Die Flughäfen Amsterdam und Brüssel sind keine Flugstunde von einander entfernt. Daher ist es kaum vorstellbar, dass ausgerechnet unter holländischer Leitung der Brüsseler Flughafen zu einem Konkurrenten von Amsterdam Schiphol ausgebaut werden soll. Der Umkehrschluss drängt sich auf. Schiphol will Brüssel Zaventem möglicherweise erwerben, um zu verhindern, dass dieser so nahe gelegene Airport zu einem Konkurrenzflughafen von Amsterdam ausgebaut werden kann.

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(Artikel von: 24.08.2005, linpan)