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"Das gallische Dorf am Neckar"

Heike Kuntz ist Vorstandschefin der Stadtwerke Heidelberg - und damit eine seltene weibliche Ausnahme in der Energiebranche.

Strategische Partner sind in der Energiebranche Garant fürs Überleben. Alle, fast alle Stadtwerke haben sich deshalb in den letzten Jahren der Stromliberalisierung aufkaufen lassen oder Kooperationen gebildet. Alle? Nein - die kleine Stadt Heidelberg am Neckar setzt weiterhin auf Unabhängigkeit. Wie bei Asterix und Obelix liest sich in diesem Kontext die Unternehmensphilosophie der Stadtwerke Heidelberg. Ganz ungewöhnlich für die Branche ist ebenfalls: Der Häuptling ist eine Frau, nämlich Heike Kuntz, die über ein Studium als Diplom-Kaufmann an der Uni Mannheim, eine fünfjährige Station bei einem Wirtschaftsprüfer in Stuttgart und über verschiedene Positionen bei den Heidelberger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe nun seit Juli 2000 Vorstandschefin bei den Stadtwerken Heidelberg ist. Ein Kurzinterview.

Wie kommt es, dass die Stadtwerke Heidelberg eine Frau zum Vorstand berufen haben?
Kuntz: Die Stadtwerke Heidelberg sind ein sehr innovatives und flexibles Unternehmen. Wir sind dabei zu hundert Prozent in kommunalem Besitz, haben aber sehr schnell auf die Chancen des Wettbewerbs gesetzt. Eine Frau als Chefin verdeutlicht noch einmal die Innovationsfreudigkeit des Unternehmens, passt sehr gut zur generellen Unternehmens-Philosophie.

Wo liegen die Hauptschwierigkeiten für eine Frau in der Energiechefetage?
Kuntz: Ich löse grundsätzlich keine geschäftlichen Angelegenheiten am Stammtisch. Das soll sehr üblich sein. Unsere Branche zeichnet sich außerdem nicht durch Frauen in Führungspositionen aus. Frauen sind stark unterrepräsentiert. Eine Frau muss sich deshalb wesentlich stärker einsetzen, behaupten und durch Leistung überzeugen. Ansonsten wird sie schlicht nicht wahrgenommen.

Wie ist für Sie Familie und Beruf vereinbar?
Kuntz: Familie und Beruf schließen sich nicht gegenseitig aus. Im Gegenteil ist die Familie eine Quelle. Ich bin verheiratet und habe einen 7 ½ Jahre alten Sohn. Sehr wichtig ist aber: Dafür braucht man als Frau den richtigen Partner, sonst wird es sehr schwierig.

Was halten Sie von einer Quotenregelung im Energiebusiness?

Kuntz: Grundsätzlich nichts. Es muss immer die Leistung im Vordergrund stehen.

Fakten zu Frauen in der Energiebranche:
Nach Aussage einer Studie der Unternehmensberatung Accenture liegt der Anteil weiblicher Arbeitnehmer bei Strom,- Gas- und Wasserversorgern insgesamt bei 20 Prozent. Die Stromwirtschaft hat nur eine Quote von 16 Prozent, liegt dabei unter den durchschnittlichen 19 Prozent im Produzierenden Gewerbe.
Noch schlechter sieht es in den Führungsetagen aus: Gerade einmal drei Prozent sind hier weiblich. "In den Personalbereichen der Stromunternehmen sind die traditionellen geschlechterspezifischen Arbeitsplatzklischees noch immer präsent", kritisiert Rolf Schulz, Geschäftsführer von Accenture.
Insbesondere kundenbezogene Unternehmensbereiche wie Vertrieb, Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bringen in den aufbrechenden traditionellen Unternehmensstrukturen neue Berufschancen für Frauen.

(Artikel von: 03.06.2003, Jörg Stroisch)