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Comicflash als Spezialität

Früher gefördert - heute zuviel: Gestalterberufe in den neuen Medien. Beinahe exemplarisch mutet die Karriere von Sonja Vieten an, die nach dem Pädagogik-Studium den Weg ins Webdesign wagte.

Zunächst studierte sie Sozialpädagogik in Köln, arbeitete zwei Jahre an einer Schule. 1998 lief die Stelle aus: Arbeitslosigkeit. Damals boomten die neuen Medien, das Arbeitsamt finanzierte ihr deshalb eine Umschulung zur Webdesignerin. So und ähnlich haben viele noch vor zwei Jahren den Weg in die neuen Medien gefunden.

Als Autodidakt durch Fortbildungslücken

"Bei mir lag das auch nahe", blickt die 31-jährige zurück. Immerhin war sie vorher schon an der Schule sehr stark mit Medienpädagogik beschäftigt, organisierte mit den Schülern Radiosendungen, schrieb Artikel. Der Ablauf war so recht einfach und vorgegeben: Ein Jahr dauerte die Umschulung, Grundkenntnisse in der Programmierung der Webdarstellungssprachen HTML oder in Flash standen auf dem Lehrplan, erste eigene Projekte wurden verwirklicht. Zeichnen gehörte ohnehin schon zu den Hobbies von Sonja Vieten. Das anschließende Praktikum brachte ihr gleich eine Festanstellung bei dem Kölner Internet-Start-Up Globalpark ein, das Umfragen organisiert und realisiert.

"Ich musste mir allerdings noch sehr viel beibringen", beschreibt Vieten die Lücken ihrer Fortbildung. So hat sie dort zwar gelernt, eine Website zu gestalten, nicht aber, wie man sie ins Netz bringt. "Aber das ist typisch für das Berufsbild", beschreibt die ehemalige Sozialpädagogin. "Ich muss mich ständig weiterbilden."

Umfangreiche Praxiserfahrung unabdingbar

Heute sieht die Lage anders aus, die Arbeitsmarktzahlen in der einstigen Boombranche sprechen für sich: Für das Jahr 2002 rechnet der Branchenverband Bitkom mit einem Minus von 3,4 Prozent. Damit fallen 28.000 Arbeitsplätze weg. Das Beschäftigungsvolumen sinkt voraussichtlich von 819.000 auf 791.000 Arbeitnehmer. Bestimmte Qualifikationen werden zwar weiter händeringend gesucht - Webdesigner gehören dazu derzeit allerdings nicht. Trotzdem listet alleine die KURS-Datenbank des Arbeitsamtes fast 100 Fortbildungsmöglichkeiten für diesen Bereich auf.

"Eine Empfehlung für alternative Fortbildungen zum Webdesigner kann ich pauschal nicht abgeben", kommentiert Werner Steckel, Leiter des Referats "Förderung der beruflichen Weiterbildung" beim Bundesarbeitsamt in Nürnberg, die Situation. "Es kommt darauf an, welche Nachfragesituation regional herrscht." Statistisch betrachtet: Die Zahl der Teilnehmer an Weiterbildungen im IT-Bereich ist in den letzten Monaten von rund 50.000 auf knapp 46.000 Personen gesunken. "Kurzfristig", beschreibt Steckel, "ist es im gesamten Informationstechnologiebereich äußerst schwierig, ohne den Nachweis umfangreicher praktischer Erfahrung einen Arbeitsplatz zu finden."

Erfolgsrezept Spezialisierung

"Meine Interessen folgend wollte ich mich weiter spezialisieren", beschreibt Sonja Vieten. Auch bei Globalpark wackelte ihr Stuhl, zwischenzeitlich drohte wieder Arbeitslosigkeit. "Aus einer gesicherten Stellung heraus", betont Vieten, "begann ich dann eine weitere einjährige Fortbildung im Comic-Zeichnen." Komplett auf eigene Kosten. Sie folgte ihrem Herzen, setzt ihr Können in Flash auch erfolgreich auf der eigenen Website Freaky-Flash.de um.

Bei ihrem alten Arbeitgeber ist sie gerade wieder halbtags eingestiegen. "Nebenberuflich arbeite ich selbständig", beschreibt die 31-jährige ihre Strategie. "Das läuft derzeit sehr gut. Über meine Webseite bekomme ich viele Kontakte und Aufträge." Und es macht sie etwas unabhängiger von der Abwärtsbewegung der New Economy. Mediengestaltern und anderen Quereinsteigern rät sie, sich weiter zu spezialisieren. "Insgesamt ist es ein toller Job, der Aufwand lohnt sich."

(Artikel von: 03.05.2003, Jörg Stroisch)