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Plan für Rating-Aufsicht liegt auf Eis

Deutschland setzt auf freiwillige Selbstregulierung - Bafin gibt harte Linie auf

Als "größte unkontrollierte Macht im Finanzsektor" hat Bankenaufsichtschef Jochen Sanio die Rating-Agenturen einst bezeichnet. Daran wird sich vorerst wohl nichts ändern. Deutschland will es bei einer freiwilligen Selbstregulierung der Agenturen belassen. Auch bei den gestern gestarteten Verhandlungen auf europäischer Ebene fand sich eine breite Mehrheit für diese Option. Die Forderung nach einer Aufsicht für die Bonitätsprüfer wird damit immer unwahrscheinlicher. "Die freiwillige Selbstregulierung ist eine sinnvolle Ergänzung, mit der die Branche gut leben kann", sagte Richard Hunter, Leiter Credit Policy bei Fitch.

"Die Überprüfung der Einhaltung sollte dem Markt überlassen werden", sagte Torsten Hinrichs, Geschäftsführer von Standard & Poor's Deutschland. Überrascht äußerten sich einige Teilnehmer der Anhörung über die zurückhaltende Position der Bankenaufsicht Bafin: "Ausgerechnet Sanio, der vorher so vehement eine Regulierung gefordert hat, scheint seine harte Linie aufgegeben zu haben." Zu erklären sei die Kehrtwende des obersten deutschen Bankenaufsehers vermutlich damit, daß sich auf europäischer Ebene kein Konsens für eine strikte Linie abgezeichnet habe. Die großen Rating-Agenturen waren vor drei Jahren in die Kritik geraten, nachdem sie die Bilanzschieflagen bei US-Konzernen wie Enron zum Ärger von Anleihe-Besitzern zu spät erkannt hatten. Heftige Kritik mußten die Bonitätsprüfer zudem vor zwei Jahren einstecken, als sie über Großkonzernen wie Thyssen-Krupp den Daumen senkten, ohne der Öffentlichkeit ihr Urteil rechtzeitig zu begründen.

Ende 2004 einigten sich die internationalen Wertpapieraufseher (Iosco) deshalb auf einen freiwilligen Verhaltenskodex für die Agenturen, in dem sich diese verpflichten, mehr Details ihrer Arbeit offenzulegen. Das Papier dient auch als Grundlage für die EU-Kommission. Diese will bis zum Frühjahr entscheiden, ob eine Selbstregulierung ausreicht.
Bei Vertretern von Unternehmen und Investoren stößt die freiwillige Regulierung auf Zustimmung. "Es wäre schön, wenn wir ohne Behörde auskämen", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Die Macht der Agenturen ist zu groß, deshalb brauchen wir mehr Transparenz." Schließlich seien in Fällen wie Thyssen Krupp die Anleger betroffen, wenn die Kurse stark fielen. "Die Erfahrung in Deutschland zeigt zwar auch, daß freiwillige Kodizes eher nicht funktionieren. Dennoch sollten wir den Agenturen mindestens ein Jahr Zeit geben die Regeln anzuwenden", sagte Kurz. "Sollte sich das nicht bewähren, wird spätestens 2006 wieder über eine Aufsicht diskutiert."

Allerdings muß sich dieses Modell in der Praxis erst bewähren", sagte Anja Theis vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Deutlich kritischer wertet Ottmar Schneck, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Ratinganalysten (BdRA) und Gründer einer auf den Mittelstand spezialisierten Rating-Agentur die geplante Selbstregulierung. "Der Kodex der Iosco ist zwar eine Verbesserung, er wird den Besonderheiten der deutschen Wirtschaft aber nicht umfassend gerecht." So sei es angesichts der kleinteiligen deutschen Unternehmensstruktur wichtig, verbindliche Qualitätsstandards zu schaffen, die über die Anforderungen des Kodex hinausgingen. "Es kann nicht sein, daß sich in Deutschland weiterhin jeder Ratinganalyst nennen darf", so Schneck. Es müßten vielmehr einheitliche Zulassungsbeschränkungen geschaffen werden, damit auch Mittelständler, die sich ein Rating der drei großen Agenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch nicht leisten könnten, besser vor schwarzen Schafen in der Branche geschützt würden.

Weitere nützliche Links:
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Elektronische Signatur - Aufsicht

(Artikel von: 25.08.2005, linpan)