Siemens pokert mit VA-Tech-Aktionären über Preis-Offerte
Aktie des Tages: Hauptversammlung des Linzer Anlagenbauers stellt am Montag die Weichen für oder gegen eine Übernahme durch Siemens
Siemens ist einen Schritt weiter: Die staatliche österreichische Privatisierungsgesellschaft ÖIAG wird ihren Anteil von 14,7 Prozent an dem
Technologie-Konzern VA Technologie an den deutschen Konzern verkaufen. Damit könnte der Elektronikriese Siemens mit rund 30 Prozent der Papiere bald der größte VA-Tech-Aktionär sein. Langfristig will Siemens 100 Prozent der Anteile besitzen und das Geschäft komplett in den Konzern integrieren.
Obwohl Siemens nach Umsatz rund 20 Mal so groß wie das Linzer Unternehmen ist, gestaltet sich der Übernahmeversuch bisher äußerst kompliziert. Die nächste Hürde ist die außerordentliche Hauptversammlung der VA-Tech-Aktionäre am kommenden Montag in Linz.
Dort entscheiden die Aktionäre, ob der Deal zwischen dem globalen Technologieriesen Siemens und Österreichs größtem Technologiekonzern überhaupt zustande kommen kann. Sie stimmen über die Abschaffung eines Statuts ab. Dieses begrenzt das maximale Stimmrecht auf 25 Prozent pro Aktionär, unabhängig davon, wie groß sein Aktienbesitz tatsächlich ist. Siemens hatte an seine Übernahmeofferte im Dezember 2004 die Bedingung geknüpft, das der Konzern als Mehrheitsaktionär auch das Sagen bei VA Tech haben kann. Frank Rothauge von Oppenheim Research ist zuversichtlich, daß die Aktionäre die Änderung absegnen. "Alles andere wäre selbstmörderisch. Der Kurs würde sofort um mindestens zehn Prozent einbrechen", meint Rothauge. Der Technologie-Titel hatte mit einem deutlichen Kurssprung von über 20 Prozent auf das Siemens-Angebot reagiert. Ende November 2004 war eine VA-Tech-Aktie noch für knapp 50 Euro zu haben. Heute kostet sie über 60 Euro. Vor allem die Zusage der ÖIAG ihre Anteile zu verkaufen, hat den Kurs in dieser Woche erneut beflügelt. Und das Selbstbewußtsein der Aktionäre gestärkt. Siemens wird bis oder am Montag wahrscheinlich noch mal nachlegen müssen, um die Gunst der Anleger zu kaufen. Bisher beharrt Siemens auf dem Angebot 55 Euro pro Aktie zu zahlen und liegt damit deutlich unter dem aktuellen Börsenwert.
Die Investition in den Linzer Anlagenbauer würde sich nach Ansicht von Analysten jedoch auch rechnen, wenn sie teurer wird. "Ein Zusammenschluß macht relativ viel Sinn, da sich die Geschäftsbereiche zu über 80 Prozent überschneiden", sagt Oppenheim Analyst Rothauge. "Selbst bei einem Preis von 60 Euro je Aktie, würde sich der Deal noch für Siemens lohnen", meint Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland Pfalz. Die komplette Übernahme von VA Tech würde dann etwa 920 Mio. Euro kosten. Da die Linzer für 2005 einen Jahresüberschuß von 66 Mio. Euro prognostizieren, läge die Rendite für Siemens bei etwa sieben Prozent. Und damit fast doppelt so hoch wie die Zinsen am Kapitalmarkt. "Außerdem verfügt Siemens mit zwölf Mrd. Euro über vergleichsweise hohe liquide Mittel", meint Theo Kitz von Merck Finck. Durch die Investition in VA Tech könnte Siemens sowohl seine Umsätze, als auch seine Gewinne und seine Rentabilität steigern. Geht die Übernahme noch in diesem Jahr komplett über die Bühne, könnten laut Rothauge bereits in den 2006er Zahlen positive Effekte spürbar sein. Ein durch die Aktionäre in die Höhe getriebener Preis könnte sogar im Nachhinein noch gemindert werden. Analysten erwarten einen Verkauf der nicht zum Kerngeschäft passenden Metallurgiesparte. Der Kurs der Siemensaktie blieb bislang relativ unberührt von der Übernahmeofferte und liegt relativ stabil bei rund 61 Euro. "Das ist ein gutes Zeichen", meint Analyst Hofmann. Nichtbewegung bedeute Einverständnis.
Weitere nützliche Links:
Kritische Aktionäre
Mobilcom-Aktionäre stimmen Klage gegen France Telecom zu.
(Artikel von: 25.08.2005, linpan)