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Steuerrecht: beispielloses Chaos

Experte fordert einfachere Unternehmensbesteuerung

Klagen deutsche Firmen zu recht über die Rechtsunsicherheit bei Unternehmenssteuern?

Christoph Spengel: Definitiv. Nach der großen Unternehmenssteuerreform 2001 müssen immer noch zahlreiche Randbereiche neu geregelt werden. Dabei verfolgt die Regierung keinen einheitlichen Kurs. Manche Vorschriften hat sie schon zwei bis drei Mal neu geschrieben. So wurden 2001 die Regeln zur Verlustverrechnung für Organschaften zunächst gelockert, dann aber wieder mehrfach verschärft.

Was kostet der Rückwärtsgang der Regierung nach der Reform 2001 die Unternehmen?

Spengel: Das ist kaum zu quantifizieren. Neben den Kosten für jedes einzelne Unternehmen, gibt es vor allem einen Schaden für die gesamte Volkswirtschaft. Viele wichtige ausländische Investitionen bleiben aus, weil kein Berater den Investoren sagen kann, welche Kosten sie in Deutschland inklusive Steuern erwarten. Selbst die deutschen Finanzämter sind mit der Umsetzung überfordert.

Ist der Steuerstandort Deutschland tatsächlich so schlecht wie sein Ruf?

Spengel: Im Moment ja. Wir haben im internationalen Vergleich die höchsten Steuerlasten für Unternehmen in Deutschland. Und außerdem in den vergangenen Jahren ein beispielloses Steuerchaos. Ich kenne kein anderes Land, in dem es steuertechnisch so turbulent zugeht. Besonders gravierend und EU-rechtlich umstritten sind etwa die Neuregelungen zur Gesellschafter-Fremdfinanzierung und zahlreiche Änderungen im Außensteuergesetz.

Wie kann die Regierung große Konzerne vom Abwandern abhalten?

Spengel: Sie sollte zwei Dinge tun. Erstens brauchen wir ein einfacheres Steuersystem und langfristig stabile und verlässliche Rahmenbedingungen. Zweitens brauchen wir niedrigere Unternehmenssteuern. Der europäische Durchschnitt liegt bei 30 Prozent. Nur wenn auch wir auf dieses Niveau kommen und unser Steuersystem weniger komplex wird, hören Unternehmen damit auf, immer mehr Funktionen ins Ausland zu verlagern.

Weitere nützliche Links:
Steuerrecht im Internet
REGIERUNGonline - Unternehmenssteuer

(Artikel von: 25.08.2005, linpan)