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Wenig Transparenz bei Vorstandspensionen30 Dax-Unternehmen nennen keine Einzelheiten Der Druck war enorm, als Martin Kohlhaussen, Aufsichtsratschef der Commerzbank, sich kürzlich zur betrieblichen Altersversorgung seiner Vorstände äußerte. Heftige Kritik hatte sich das Management dafür gefallen lassen müssen, künftig für einen wichtigen Teil der betrieblichen Altersvorsorge seiner Mitarbeiter nicht mehr zahlen zu wollen. Und die Vorstände waren von dieser Regelung ausgenommen. Doch trotz der öffentlichen Kritik wagte es Kohlhaussen nicht, in seinem Rechtfertigungsschreiben alles offen zu legen. Einige Details blieben offen. Im Vergleich zu den meisten anderen Dax-Unternehmen ist die Commerzbank seit ihrem Betriebsrenten-Fauxpas allerdings Spitze, wenn es um die Transparenz bei den Pensionsbezügen für Vorstände geht. Die Mehrheit der Dax-Konzerne fürchtet das Thema. So verweigerten 40 Prozent der befragten Dax-Unternehmen jegliche Aussage - und das, obwohl die Pensionen nach Ansicht von Unternehmensberatern Bestandteil des Vergütungspakets bei Spitzenmanagern sind. Schließlich empfiehlt der deutsche Corporate Governance Codex, die Saläre der Vorstände offen zu legen. Wie schon bei den Vorstandsgehältern führen die Unternehmen eine Reihe von Gründen an, warum sie die Details auch bei den Pensionsansprüchen nicht nennen. "Es handelt sich hier um individuelle, vertragliche Vereinbarungen, über die keine Auskunft gegeben wird", antwortet etwa die Deutsche Post. Es gebe keine "einheitlichen Regelungen". Unternehmen wie Altana, Volkswagen und SAP beziehen sich ebenfalls auf individuelle Verträge. Beim Elektronikriesen Siemens wiederum hieß es: "Das sind aufsichtsratsrelevante Themen. Den Aufsichtsrat erreichen wir die nächsten zwei Wochen nicht." Nur neun Unternehmen - darunter Allianz, Henkel, Lufthansa und MAN - machten genauere Angaben zu ihren Pensionsvereinbarungen. Bei der Lufthansa beispielsweise können Vorstände frühestens mit 60 Jahren in Rente gehen. Um eine Altersversorgung zu bekommen, muss ein Pensionär mindestens fünf Jahre im Vorstand sein. Als Pension gibt es einen nicht genannten Prozentsatz der Bruttovergütung. Erfolgsabhängige Aufschläge zahlt die Fluggesellschaft nicht. Beim Mischkonzern MAN hingegen haben Vorstände schon ab dem ersten Tag in der Chefetage Anspruch auf eine Altersversorgung. Die Höhe der einzelnen Vorstandsrenten aber wollten diese Unternehmen ebenfalls nicht verraten. Auch die bilanziellen Auswirkungen, die in Form von Rückstellungen mit der Altersversorgung der aktiven Vorstandsmitglieder einhergehen, werden nur selten für den Aktionär einsichtig. Meist wird lediglich die Höhe der Pensionsverpflichtungen gegenüber ehemaligen Mitgliedern des Vorstands und ihren Hinterbliebenen genannt, ohne dass der Vorjahreswert aufgeführt ist. Zudem werden im Geschäftsbericht die Rückstellungen für alle Mitarbeiter kumuliert ausgewiesen. Die Höhe der erforderlichen Rückstellungen wird auf Grundlage des Barwerts der Pensionszusagen festgelegt. Die meisten Dax-Unternehmen bestimmen den Umfang der Pensionsansprüche nach einem ähnlichen Muster. Ein Teil orientiert sich am Festgehalt der Manager, das meist ein Drittel der jährlichen Vergütung ausmacht. Im Durchschnitt der Dax-Konzerne liegt dieses Festgehalt bei 800 000 bis 850 000 Euro. Hinzu kommen weiteren Pensionsansprüche, die sich an der Höhe des erfolgsabhängigen Bonus orientieren. Folglich hat eine Bonuskürzung, wie sie die Commerzbank in den vergangenen zwei Jahren vorgenommen hat, auch direkten Einfluss auf die Höhe der Betriebsrente. "Meist erhalten die Manager 60 Prozent ihrer Basisvergütung als Pension", nennt Michael Kramarsch von der Unternehmensberatung Towers Perrin einen Richtwert. Zudem gibt es für die erste Vertragsverlängerung nach drei Jahren sechs Prozent extra und für jede folgende zehn Prozent. Aktionärsschützer mahnen zu mehr Transparenz. "Die Altersvorsorge wird das nächste Thema für den Corporate Governance Codex sein", prophezeit daher Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Vermutlich werde es ähnlich laufen wie bei den Vorstandsvergütungen im vergangenen Jahr. Nach dem der Corporate Governance Codex damals angeregt hatte, die Gehälter nicht mehr nur in der Summe, sondern aufgeschlüsselt nach Personen im Geschäftsbericht zu nennen, taten dies 2003 immerhin sechs der Unternehmen im Dax. Aktionärsschützer und Unternehmensberater rechnen damit, dass dieses Jahr weitere Firmen nachziehen. Spätestens 2005 werde es eine ähnliche Anregung für die Pensionsverpflichtungen geben, sagt Kurz. Sollten die Unternehmen dauerhaft nicht mitmachen, könnten die Konzerne künftig per Gesetz dazu gezwungen werden, ihre Pensionen offen zu legen. "Die Unternehmen müssen sich daran gewöhnen, transparenter zu werden", sagt Kurz. In den USA und Großbritannien sei seit Jahren mehr Transparenz üblich. Dort kennen Aktionäre alle Gehalts- und Rentensummen. Das Thema gewinnt zudem an Brisanz, weil ähnlich wie bei normalen Arbeitnehmern auch für Manager die finanzielle Sicherheit im Alter immer wichtiger wird. "Bei Verhandlungen über die Entlohnung der Vorstände wird Vergütung und Entsorgung mittlerweile als ein Paket gesehen", sagt der Rentenexperte von Towers Perrin, Manfred Guggi. Der Stellenwert der Pensionsansprüche sei deutlich gestiegen. Weitere nützliche Links: |
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