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Angst vor Kündigungen: Signale erkennen
Karsten Tal (Name geändert) arbeitet als Informatiker bei einem Düsseldorfer Telekommunikationsunternehmen. Eingestellt zu Zeiten der New Economy bekommt der 33-Jährige ein Traumgehalt. Doch damit könnte bald Schluss sein. Bereits im vergangenen Jahr gab es Warnsignale: Die Gewinne brachen ein. Plötzlich bastelte der Betriebsrat Sozialpläne und Abfindungsvorschläge. Tals Abteilung soll von den Sparmaßnahmen verschont bleiben. Doch er macht sich Gedanken - und wartet ab, was passiert.
Damit ist er in Deutschland nicht alleine. Jeder fünfte Deutsche, so eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Right Coutts, fürchtet, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. "Angst ist ein schlechter Ratgeber in dieser Situation", weiß Alexander Geier, Diplom-Psychologe und Coach aus Nürnberg. "Denn sie schränkt Denken, Fühlen und Handeln ein". Karsten Tal und anderen Betroffenen rät er, sich möglichst schnell Klarheit zu verschaffen. So könne man sich aus einer ungekündigten Stellung heraus bewerben oder vielleicht innerhalb des Unternehmens wechseln.
Schließlich kommen Kündigungen nicht plötzlich. Es gibt Anzeichen dafür, und wer Augen und Ohren offen hält, kann sie erkennen. "Wer Signale für Entlassungen wahr nimmt, sollte das Gespräch mit dem Vorgesetzten oder dem Betriebsrat suchen", so Psychologe Geier. Und Christoph Weyrather, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Unternehmensberater in Bonn, ergänzt: "Mitarbeiter haben das Recht, zeitnah, kontinuierlich und offen über die Situation und die Zukunftsaussichten informiert zu werden". Doch im Gespräch sei es wichtig, nicht sich selbst und die eigenen Probleme in den Mittelpunkt zu stellen, sondern sich nach den Perspektiven des Unternehmens zu erkundigen, so Geier. Und danach muss jeder selbst entscheiden was er macht.
Der falsche Weg sei es wenn der Angestellte jetzt zu allem "Ja und Amen" sage, täglich Überstunden mache und sich in allem anbiedert, um einer Entlassung zu entgehen. "Vorgesetzte trennen sich lieber von Opportunisten als von engagierten Mitarbeitern, die wissen was sie wert sind und berechtigte Forderungen stellen". Andererseits muss man das Unheil auch nicht herausfordern: Unpünktlichkeit, private Telefonate oder Internetnutzung sollten jetzt zurückgefahren werden. Sie können Anlass sein für eine Abmahnung und eine folgende verhaltensbedingte Kündigung. Das heißt, der Arbeitgeber wird den Angestellten leichter und in der Regel billiger los, als wenn er ihm betriebsbedingt kündigen muss.
Christoph Weyrather rät ebenfalls von diesem "Spiel mit dem Feuer" ab. "Besser ist es, in solchen Situationen zu zeigen, dass man seine Arbeit wirklich beherrscht und dem Unternehmen eine Hilfe ist". Trotzdem müssen von der Kündigung Bedrohte an die Zukunft denken. Weyrather sagt, was das bedeutet: "Jobbörsen durchforsten, Bewerbungsunterlagen auf den neusten Stand bringen, über berufliche Alternativen nachdenken und vor allem das Kontakte-Netzwerk pflegen".
Signale erkennen
Gehört das Unternehmen zu einer Risikobranche? Wer den Wirtschaftsteil in Zeitungen liest, weiß welche Unternehmen Leute entlassen.
Sind Fusionen oder Übernahmen im Gespräch? Der Flurfunk in einem Unternehmen weiß oft mehr, als bekannt ist. Auch Wirtschaftsmeldungen in der Zeitung liefern Informationen.
Wurden schlechte Betriebsergebnisse gemeldet? Einbrechende Gewinne und rückläufige Auftragseingänge sind oft der erste Schritt Richtung Entlassungen.
Hat sich die firmeninterne Kommunikation verändert? Wenn plötzlich nicht mehr über alles geredet wird, kann das ein Anzeichen dafür sein, dass etwas im Busch ist.
Laufen Sie gegen Wände? Wenn Ideen und Vorschläge nicht mehr ankommen, Pläne und Ziele verschoben werden, das Tagesgeschäft nicht mit vollem Einsatz verfolgt wird, deutet das auf einen Wandel des Betriebsklimas hin.
Wechselt der Vorstand oder die Geschäftsführung? Von den Neuen wird erwartet, dass sie aufräumen. Das geht selten ohne Entlassungen.
Werden Stellen nicht neu besetzt und verlassen Vorgesetzte aus eigenem Antrieb das Unternehmen? Ein Einstellungsstop ist ein schlechtes Zeichen. Und in den Führungsetagen weiß man oft mehr, als herausgelassen wird.
Das Gehalt kommt nicht pünktlich? Das ist ein deutliches Zeichen für eine drohende Insolvenz. (Artikel von: 13.12.2005, betbla)
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