Der Arbeitsplatz: das zweite Zuhause
geschlossen und in der Kaffeeküche hörte sie, wie zwei Kollegen über einen dritten lästerten. Das Arbeitsklima scheint schlecht zu sein. Carina Müller hat im Vorstellungsgespräch die falschen Fragen gestellt.
Carina Müller hat einen neuen Job! Begeistert erzählt sie, was sie jetzt verdient und dass sie ein schönes, helles und modern eingerichtetes Büro für sich alleine hat. Doch am ersten Arbeitstag kommt sie betrübt nach Hause: Niemand hat sich für sie interessiert, die Türen zu den anderen Zimmern waren geschlossen und in der Kaffeeküche hörte sie, wie zwei Kollegen über einen dritten lästerten. Das Arbeitsklima scheint schlecht zu sein. Carina Müller hat im Vorstellungsgespräch die falschen Fragen gestellt.
"Es geht weniger um das Designer-Büro oder das Gehalt, wenn Leute montags gerne zur Arbeit gehen", bestätigt so auch Ute Göggelmann. Sie hat in ihrem Buch "Deutschlands Beste Arbeitgeber" zusammengefasst, was beim gleichnamigen Wettbewerb herauskam. Dabei gaben etwa 17.000 Mitarbeiter von 100 deutschen Unternehmen anonym ihre Meinung ab. Das Ergebnis zeigt: Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamorientierung sind wichtiger als Geld. Ein Blick in das Buch oder die Lokal- und Wirtschaftspresse kann Auskunft darüber geben, welchen Ruf das Unternehmen hat. Auch das Internet hilft: Eine vernachlässigte Seite spricht nicht für das Unternehmen. Die Firmenphilosophie, die wichtigsten Daten und Fakten und Kontaktpersonen sollten dort genannt sein. Wichtig ist auch, wie schnell das Unternehmen auf die Bewerbung reagiert. Braucht es viel Zeit zum Sichten der Unterlagen, muss auf jeden Fall eine Eingangsbestätigung geschickt werden.
Im Vorstellungsgespräch geht es dann um die persönlichen Belange: "Auch die harten Faktoren zählen. Keiner will viele Überstunden. Und natürlich muss das Gehalt stimmen", ergänzt Sabine Gläser, Psychologin und Unternehmensberaterin aus Rheine. Wichtig sei auch die Frage nach den Sozialleistungen. Für viele Bewerber spielt auch eine Rolle, ob eine Kantine im Haus oder in der Nähe ist, oder ob ein externer Dienstleister Brötchen und Salate ins Haus bringt. Vielleicht beteiligt sich der Arbeitgeber sogar mit einem Essenszuschuss an den Kosten?
Das Problem: Ob genügend gezahlt wird, lässt sich noch vor Arbeitsantritt feststellen. Aber die weichen Faktoren kann man fast nicht im Vorfeld überprüfen. Ute Göggelmann rät darum dazu, beim Vorstellungsgespräch einen Seitenblick zu riskieren: "Das fängt am Empfang an: Wie werde ich begrüßt? Wie ist der Umgang mit Angestellten, die vorbei gehen?" Auch auf dem Weg lohne sich ein Blick rechts und links des Flures: "Wie sind die Büros ausgestattet? Wie viele Leute sitzen dort? Gibt es Pflanzen oder steht Persönliches auf dem Schreibtisch?". Man müsse sich selbst fragen, ob einem die Arbeitssituation gefalle oder nicht. Ganz wichtig sei es auch, sich zu erkundigen, warum die Stelle frei ist. Hat der potenzielle Vorgänger intern gewechselt, ist das ein Zeichen dafür, dass er wirklich zufrieden mit dem Arbeitgeber ist.
Sabine Gläser rät zudem, im Vorstellungsgespräch zu fragen, welche Ziele das Unternehmen habe und wo es innerhalb der nächsten fünf Jahre stehen wolle. "Daraus lässt sich ableiten, wie sicher die Arbeitsplätze sind", sagt sie. Und: "Ein Unternehmen mit Zielen hat auch Perspektiven für die Mitarbeiter". Natürlich sollte der Bewerber auch nach den eigenen Aufstiegsmöglichkeiten fragen: "Wo sehen Sie mich denn in drei Jahren?" Wer bei diesen Fragen ins Schleudern kommt, engagiert sich nur wenig für die Entwicklung der Mitarbeiter.
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