Auf die Zukunft setzen - Discount-Zertifikate bieten nur begrenzte Gewinnmöglichkeiten
Wer Discount-Zertifikate kauft geht so etwas wie eine Wette ein: Wer gewinnt, bekommt Bares auf die Hand, wer verliert immerhin eine Aktie. Ob er sich über die freuen kann, hängt davon ab, wie viel sie noch wert ist.
Doch besser der Reihe nach: Wer ein
Discount- oder ein Diskont-Zertifikat kauft, erwirbt eine Art Index oder Aktie. Aber eben nur "eine Art". Ganz genau erwirbt der Anleger das Recht, an der Wertentwicklung einer Aktie oder eines Index beteiligt zu werden.
Ein Zertifikat ist um einiges günstiger als die jeweilige Aktie- oder das Indexprodukt. Dafür ist aber auch die maximale Rendite von Anfang an bekannt. Denn der Höchstwert, der Cap, wird festgelegt. Sollte er am Stichtag höher ausfallen, verzichtet der Käufer auf höhere Gewinne. Das ist der Preis dafür, dass er das Zertifikat günstiger bekommen hat. Die Differenz zwischen dem Cap und dem gegebenenfalls höheren Wert sackt die Bank ein. So haben beide gewonnen.
Das Zertifikat hat außerdem eine festgelegte Laufzeit, in der Regel zwölf bis 18 Monate, manchmal aber auch bis zu drei Jahre. Erreicht es den Höchstwert bis zum Ende der Laufzeit oder liegt der Kurs sogar höher, bekommt der Käufer den festgelegten Wert ausgezahlt. Vom Gewinn muss er aber gegebenenfalls die Kosten für den Erwerb beziehungsweise Verkauf abziehen. Wer Discount-Zertifikate in anderen Währungen kauft, geht ein zusätzliches Risiko ein. Denn die Umrechnung in Euro schmälert möglicherweise den Gewinn.
Bleibt das Produkt unter dem Höchstwert, bekommt der Kunde eine Aktie. So macht er durch den verbilligten Kauf des Papiers noch immer einen kleinen Gewinn. Und: Er kann das Papier halten und auf bessere Zeiten warten, oder zum aktuellen Kurswert verkaufen.
Sinkt der Kurs dagegen drastisch auf einen Wert unter dem Basiswert, hat er die Aktie dann zwar zu teuer eingekauft, aber der Verlust ist geringer, als wenn er sie direkt erworben hätte. Darum heißen Discount-Zertifikate auch BLOC-Zertifikate, Buy Low or Cash. Das bedeutet: der Anleger bekommt am Ende der Laufzeit entweder den Höchstwert, Cap, in Cash ausbezahlt, oder er hat über das Zertifikat die Aktie günstig erworben, also buy low.
Ärgerlich ist allerdings, wenn die Aktie nichts mehr wert ist. Denn dann hat der Kunde den gleichen Totalverlust, den er auch bei ihrem direkten Erwerb gehabt hätte. Allerdings: Wer eine Aktie direkt kauft, trägt nicht nur das gesamte Risiko sondern hat auch alle Gewinnmöglichkeiten. Die sind bei Discount-Zertifikaten natürlich beschränkt.
Dazu ein Rechenbeispiel: Sie kaufen im Februar 2003 ein Discount-Zertifikat auf den Index DAX. Er steht bei 3.400 Punkten. Das Bezugsverhältnis liegt bei 0,01. Der Cap beträgt 4.000 Punkte. Die Laufzeit beträgt 14 Monate, also bis April 2004.
Steigt der DAX bis April 2004 auf 4.000 Punkte oder höher, erzielen Sie die maximale Rendite. Das entspricht Cap (4.000) X Bezugsverhältnis (0,01) = 40. Also bekämen Sie für jedes Zertifikat 40 Euro ausgezahlt. Liegt der Kurs tiefer, bekommen Sie entsprechend immer ein Hundertstel des DAX-Standes.
Ein weiteres Rechenbeispiel: Sie kaufen ein Discount-Zertifikat auf eine Aktie für 14 Euro. Würden Sie die Aktie direkt kaufen, müssten Sie 18 Euro bezahlen. Stagniert das Papier bei seinem Kurs, haben Sie am Ende der Laufzeit eine Rendite von rund 30 Prozent, da Sie das Zertifikat ja günstiger gekauft haben. Hätten Sie die Aktie für 18 Euro gekauft, wäre die Rendite gleich Null, da der Kurs stagnierte.
Der Cap des Zertifikates liegt bei 20 Euro. Steigt der Kurs der Aktie auf 20 Euro, realisieren Sie einen Gewinn von 6 Euro oder rund 43 Prozent. Die Aktie müsste auf fast 26 Euro steigen, damit sie eine bessere Rendite als das Zertifikat erreichen würde. Sinkt der Kurs der Aktie dagegen, erleidet der Zertifikat-Besitzer erst ab einem Kurs von 14 Euro einen Verlust, der Aktienbesitzer ab dem ersten Cent. Der Discount ist also mehr als ein verbilligter Kaufpreis. Er ist gleichzeitig ein Verlust-Puffer.
Für wen also eignen sich Discount-Zertifikate?
Wer nicht an stark steigende Aktienkurse glaubt, aber auch nicht in Bundeswertpapiere oder Zinsanlagen investieren will, kann mit einem Discount-Zertifikat gut bedient sein. Allerdings muss der Käufer dann zumindest daran glauben, dass der Aktienkurs nicht sinkt. Bei nur gleichbleibendem oder leicht steigendem Aktienkurs können die Gewinne schon ansehnlich sein.
Wer aber sicher ist, dass ein Papier Kursgewinne einfahren wird, ist besser damit beraten, die Aktie direkt zu kaufen. Denn wer ein Zertifikat mit einem sehr hohen Cap kauft, hat auch nur einen sehr kleinen Discount. Erreicht das Produkt den Cap oder steigt mit seinem Kurs noch höher, kann der Käufer beim Direktkauf alle Gewinne realisieren. Dazu raten auch die Verbraucherschützer. Sie sehen Discount-Zertifikate eher kritisch als Instrument der Banken, von der Börsenentwicklung enttäuschte Anleger wieder als Kunden zurück zu gewinnen. Damit das gelingt, müssten aber eigentlich die Verluste begrenzt werden, nicht die Gewinnmöglichkeiten. Wie aber bereits erwähnt: Auch mit Discount-Zertifikaten ist ein Totalverlust möglich.
Hinzu kommt, dass es nicht einfach ist, das richtige Discount-Zertifikat zu finden. Denn sie werden mit unterschiedlicher Laufzeit angeboten. Hier spielt eine Rolle, ob der Anleger Spekulationssteuer vermeiden möchte, oder Verluste mit Gewinnen verrechnen kann. Außerdem beeinflusst auch die Volatilität das Produkt und die Gewinnchancen. Das bedeutet für Anleger: Die Entscheidung für ein bestimmtes Produkt muss gut überlegt sein. Und Sie müssen sich wirklich mit der Sache auseinander setzen, bevor Sie sich entscheiden. Wer nur auf seinen Bankberater vertraut, kann damit genau so baden gehen, wie einst mit Aktien.
Discount-Zertifikate werden auf der Gewinn-Risiko-Scala als zwischen Aktien und Fonds stehend betrachtet. Das Risiko ist deutlich niedriger als beim Aktienkauf, aber höher als beim Fondserwerb. Dafür sind die Gewinnchancen niedriger als bei Aktien, aber etwas höher als bei Fonds.
Wo bekommen Sie Discount-Zertifikate?
Discount-Zertifikate werden von Banken und Investmenthäusern ausgegeben. Das heißt, Sie können zum Schalter gehen oder per Telefon oder Internet ordern. Das Zertifikat wird dann Ihrem Depot gutgeschrieben. Es hat auch eine eigene Wertpapierkennnummer. Die Bank verpflichtet sich damit, zum Stichtag die Original-Aktien auszugeben oder den Geldbetrag zu überweisen.
Im Internet finden Sie Vergleichsmöglichkeiten:
Warrants.com
Topdiscounts.de
Zertifikateweb
Zertifikate.Onvista
(Artikel von: 23.08.2005, betbla)