Der Vergleich ist Geld wert
Ordergebühren beim Online-Brokerage sehr unterschiedlich
Der Aktienboom in Deutschland liegt zwar schon einige Jahre zurück und der Begriff Volksaktie wird meist nur noch mit zynischem Lächeln benutzt, wenn es darum geht, Verluste zu beschreiben, die eine breite Masse von Anlegern mit einem Papier gemacht haben.
Trotzdem gibt es sie noch: Menschen, die mit Aktien handeln. Und sie haben die Qual der Wahl, wo sie ihr Depot für ihre Papiere eröffnen sollen. Denn viele verschiedene Faktoren beeinflussen den Endpreis.
In erster Linie hängt die Entscheidung davon ab, in welcher Höhe Transaktionen gemacht werden. Wer nur mit 500 Euro Beträgen operiert, liegt bei der Postbank (easytrade) nicht ganz falsch. Die Ordergebühr kostet 8,88 Euro. In unserem Vergleich unter zehn Banken ist das der beste Preis. Auch bei Transaktionen von 1.000 Euro liegt die Postbank noch an der Spitze, gefolgt von Comdirect und ING-Diba. Anders sieht es aus, wenn es um eine Order von 5.000 Euro geht. Da landet Comdirect mit einer Gebühr von 9,90 Euro auf Platz Eins, gefolgt von der Citibank. Die ist mit ihrer Standardgebühr von 9,99 Euro pro Order die beste Lösung, wenn es um Transaktionen von 10.000 Euro geht.
Das ist das grobe Ergebnis. Geht man in die Tiefe, wird es komplizierter. So ist zwar das Einrichten eines Depots bei allen Banken kostenlos, aber bei den jährlichen Depotgebühren gibt es schon wieder große Unterschiede: Citibank, DAB und ING DiBa verlangen dafür kein Geld. Bei Cortal Consors und der Deutschen Bank fallen Kosten an, wenn nicht mindestens einmal im Quartal eine Order ausgeführt wird, das Konto durchschnittlich weniger als 2500 Euro aufweist, ein Fondssparplan bespart wird (Cortal Consors) beziehungsweise das Depot weniger als 25.000 Euro aufweist (Deutsche Bank). Alle anderen Banken verlangen entweder einen prozentualen Anteil am Depotwert oder einen Festpreis. Ein Kunde der Dresdner Bank würde für ein Depot mit 10.000 Euro Einlage bei 0,15 Prozent Kosten des Depotwerts im Jahr 15 Euro zahlen.
Als nächstes muss sich der Bankkunde überlegen wo er Wertpapiere kaufen möchte. Denn je nachdem fällt auch eine zusätzliche Gebühr für den Xetra- oder Parkett-Kauf an. Nicht bei der Citibank und nicht bei ING DiBa, wohl aber bei allen anderen Banken. Und hier schneidet die Postbank, die im Vergleich der reinen Ordergebühr so gut wegkommt, eher schlecht ab.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte und ein Limit einrichtet, zahlt bei den meisten Banken dafür nichts - zumindest nicht, wenn die Order am selben Tag ausgeführt wird. Anders wenn es darum geht, das Limit zu ändern zu streichen, das ist nur bei der Citibank, ING DiBa und dem Sparkassen S-Broker immer kostenlos. Die anderen Banken verlangen zwischen 2,50 Euro und 5,11 Euro.
Fazit: Wer ein Depot eröffnen möchte, sollte sich vorher überlegen in welcher Höhe er wie häufig welche Papiere kaufen oder verkaufen möchte. Denn wer nur einmal im Jahr für 500 Euro kauft, zahlt dafür besser bei ING Diba 9,90 Euro als bei der Postbank 8,88 Euro plus 18,84 Euro Depotgebühr und zusätzlich eine Gebühr für Xetra oder Parkett. Zur weiteren Verdeutlichung sehen Sie die beigefügten Musterberechnungen.
Musterfälle:
Ein Anleger hat 10.000 Euro im Depot und kauft oder verkauft vier Mal im Jahr - jedes Quartal einmal - in Höhe von 500 Euro. Das kostet bei:
ING Diba 39,60 Euro.
Citibank 39,96 Euro.
DAB 36,80 Euro + Gebühr Xetra/Parkett.
Cortal Consors 39,80 Euro + Xetra/Parkett.
Comdirect 39,60 Euro + Depotgebühr 11,80 Euro = 51,40 Euro + Gebühr Xetra und Parkett.
S-Broker: 40 Euro + 12 Euro Depotgebühr = 52 Euro + Gebühr Xetra/Parkett.
Postbank 35,52 Euro + Depotgebühr 18,84 =54,36 Euro + Gebühr Xetra/Parkett.
Dresdener Bank: 60 Euro + Depotgebühr 15 Euro = 75 Euro + Gebühr Xetra/Parkett.
Deutsche Bank: 79,96 Euro + Gebühr für Xetra/Parkett.
Hypovereinsbank: 120 Euro + 18,40 Euro fürs Depot =138,40 Euro + Gebühr Xetra/Parkett.
Ein anderer Anleger schichtet dagegen nur zweimal im Jahr um, und zwar in Höhe von 5000 Euro. Er hat auch eine Anlage von 10.000 Euro. Das kostet ihn:
Citibank 19,98 Euro.
ING Diba 25 Euro.
Comdirect 19,80 Euro + Depotgebühr 11,80 Euro = 31,60 Euro + Gebühr Xetra und Parkett.
DAB 40,90 Euro + Gebühr Xetra/Parkett.
S-Broker: 30 Euro + 12 Euro Depotgebühr = 42 Euro + Gebühr Xetra/Parkett.
Postbank 25,90 Euro + Depotgebühr 18,84 =44,74 Euro + Gebühr Xetra/Parkett.
Cortal Consors 34,90 Euro + 11,70 Euro Depot = 46,60 Euro + Xetra/Parkett.
Deutsche Bank: 39,98 Euro + 14,94 Euro Depot = 54,92 Euro + Gebühr für Xetra/Parkett.
Hypovereinsbank: 60 Euro + 18,40 Euro fürs Depot =78,40 Euro + Gebühr Xetra/Parkett.
Dresdener Bank: 100 Euro + Depotgebühr 15 Euro = 115 Euro + Gebühr Xetra/Parkett.
Achtung! Comdirect ändert im Oktober die Preisstruktur. Bei Redaktionsschluss war noch nichts Näheres bekannt!
Weblinks zum Thema
Banken - Wissenspool - Artikel: Online-Brokerage
Möglichkeiten der strategischen Ausrichtung im Online-BrokerageDie genannten Konditionen stammen aus dem Sommer 2004. (Artikel von: 24.08.2005, betbla)