Quelle will für alle Russen da sein

Versandhändler hat sich flächendeckende Versorgung vorgenommen


Modehungrigen im Ural, an der Wolga, in Sibirien und in anderen Regionen der Russischen Föderation hat ein Katalog des deutschen Versandhauses Quelle gerade noch zum Glück gefehlt - meint zumindest Vorstandschef Christoph Achenbach.

Bisher war das Einkaufen bei Quelle nur über das Netz möglich. Achenbach will jedoch den Konsum für alle Russen möglich machen, auch fernab von Großstädten. Der erste Quelle-Katalog auf Russisch mit Preisauszeichnungen in Rubel erreichte am Donnerstag 300 000 Haushalte. Im Angebot sind neben Blusen, BHs und Baggy-Pants auch Hartwaren wie ein 60-teiliges Tupperdosen-Set. "Eine Pionierleistung", lobt Achenbach das eigene Haus. Er setzt allerdings auch notgedrungen auf das Ausland. Schließlich läuft das Inlandsgeschäft eher mau.


Quelle ist bereits seit zwanzig Jahren in Russland präsent, war aber bislang - wie auch Konkurrent Otto - nur in Großstädten wie Moskau und St. Petersburg tätig. Insgesamt tummeln sich rund 40 Versandhändler auf dem russischen Markt. Aber: "Wir sind das erste Unternehmen das landesweit aktiv ist", sagt Achenbach.

Gelockt haben ihn die großen Chancen. In Russland leben 145 Mio. Menschen auf 17 075 400 Quadratkilometern - viele Menschen auf großer Fläche. Das sind optimale Voraussetzungen für den Versandhandel.

Quelle will schnell mehr über den russischen Kunden erfahren um das Angebot noch passgenauer zu machen. Spätestens 2006 soll der Katalog 200 Seiten stark sein. Noch in diesem Jahr will der Versandhändler rund zwei Millionen potenzielle Kunden in Russland ansprechen. "Wir wollen die Nummer eins im russischen Versandhandelsmarkt werden."

Nachdem das Fürther Versandhaus 2003 in Russland mit einem begrenzten Geschäft rund zehn Mio. Euro umgesetzt hat, prognostiziert Achenbach für dieses Jahr eine bescheidene Steigerung um fünf Mio. Euro. Die Ziele für die Zukunft sind ehrgeiziger: In fünf Jahren will Quelle rund 40 bis 70 Mio. Euro in Russland umsetzen.

Neue Jobs gibt es trotz des Expansionsstrebens erst mal nicht. Die Logistik in Deutschland reicht aus, um auch den russischen Markt zu bedienen. Die Päckchen für die Russische Föderation werden weiterhin in Nürnberg gepackt. Von dort aus machen sie sich mit der deutschen Post auf den weiten Weg nach Moskau. Hier übernimmt die russische Post.

Ganz so bequem wie für deutsche Kunden ist die Katalogbestellung für die Russen allerdings nicht. Ein Paket-an-die-Haustür-Service gibt es nicht. Kunden müssen die Ware selbst an einem der einem der 40 000 russischen Postämter abholen. Auch ein 24-Stunden-Service ist unbekannt. Zwischen sechs und 14 Tagen dauert die Lieferung. Die Bezahlung ist eine weitere Hürde. Kunden müssen bei einer Bankfiliale in ihrer Nähe Vorkasse leisten.

Entworfen und produziert wird weiterhin in Deutschland. Wenn russische Firmen jedoch gute Angebote vorlegen oder den Geschmack ihrer Landsleute besser treffen, seien Kooperationen nicht ausgeschlossen, heißt es. Dann klappt es vielleicht auch besser mit der russischen Übersetzung des Katalogs. Achenbach zu den teils noch vorhandenen Fehlern: "Jeder Anfang ist schwer."

Weitere nützliche Links:

Quelle Versand

Quelle Russland - Riesige Nachfrage im Land der zehn Zeitzonen

(Artikel von: 25.08.2005, linpan)